C. P. Snow: Das Gewissen der Reichen
C. P. Snow:
»Das Gewissen der Reichen«
Roman
Aus dem Englischen übersetzt
von Dorothea und Rolf Michaelis
»Fremde und Brüder«, Band 3
2026, geb., farbiges Vorsatz,
Lesebändchen, 372 S.
€ 29 [D] / € 29,90 [A] / sFr 39,50
Bei Subskription aller 11 Bände:
€ 26 [D] / € 26,80 [A] / sFr 35,40

ISBN 978-3-96160-102-8

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Romanreihe

Nach Anthony Powells »Ein Tanz zur Musik der Zeit« und Simon Ravens »Almosen fürs Vergessen« erscheint endlich auch der dritte große englische Romanzyklus aus dem 20. Jahrhundert erstmals vollständig in deutscher Übersetzung: Die elfbändige Reihe »Strangers and Brothers«, im Original zwischen 1940 und 1970 veröffentlicht, kam hierzulande trotz mehrfacher Versuche in verschiedenen Verlagen nie zum Abschluss. Unsere Ausgabe startet im Frühjahr 2025 auf der Grundlage einer behutsamen Überarbeitung der vorliegenden Übersetzungen aus den sechziger Jahren. Sie soll bis 2029 mit der Erstveröffentlichung der auf Deutsch bislang fehlenden Teile abgeschlossen werden.
Snows Romanwerk, dessen Handlung sich vom Beginn des Ersten Weltkriegs bis in die Zeit der Studentenunruhen von 1968 erstreckt, zeichnet — in der Rückschau des pensionierten Hochschullehrers Lewis Eliot und dabei autobiografisch getönt — den Lebensweg eines britischen Akademikers aus der Mittelschicht durch die sogenannten »corridors of power« nach: von Eliots Jugend in eher bescheidenen Verhältnissen in einer englischen Provinzstadt über seine Karriere als Anwalt in London, als Beamter, als Dozent in Cambridge. Dabei bieten die Romane eine tiefgründige Untersuchung der britischen Arbeitswelt des 20. Jahrhunderts und deren Institutionen sowie des komplexen Zusammenspiels zwischen dem Privatleben und dem Streben nach Ansehen in Beruf und Öffentlichkeit — entlang all der vielen Fallstricke moralischer Entscheidungen und vor dem Hintergrund sozialer Spannungsgeflechte und weltpolitischer Veränderungen. Dabei erzählt Snow clever und nicht selten amüsant. Seine liebevoll ausgearbeiteten Charaktere binden die einzelnen Romane, die auch separat gut lesbar sind, in geradezu Proust‘scher Manier aneinander.

Buch

Im dritten Teil der Romanreihe, der im Original 1958 erschien, gibt der Erzähler Einblicke in die Welt einer großen britischen Bankiersdynastie zwischen 1927 und 1936. Durch seine Freundschaft zu Charles March, dem Sohn und Erben des jüdischen Bankhauses March, mit dessen Familie verbunden, stehen Lewis Eliot die Auswirkungen der sozialen und politischen Veränderungen auf die reiche und traditionsbewusste Familie direkt vor Augen. Vor dem Hintergrund des Aufstiegs von Kommunismus und Faschismus sowie der Vorbereitung Großbritanniens auf einen neuen Krieg stehen allerhand private Krisen: Charles bricht seine vielversprechende juristische Karriere zugunsten der ihm nützlicher erscheinenden Medizin ab, seine Schwester Catherine verliebt sich in einen Nichtjuden, sein Onkel wird in zwielichtige politische Geschäfte verwickelt, und die Familie fällt langsam auseinander ...

Autor

Charles Percy Snow (1905—1980) war ein britischer Physiker und Romanautor. 1957 wurde er zum Ritter geschlagen, 1964 zum Baron ernannt und im Laufe seines Lebens mit mehr als zwanzig Ehrendoktorwürden ausgezeichnet. Für sein literarisches Schaffen erhielt er 1954 den Tait Black Memorial Prize und 1974 eine Nominierung für den Booker Prize. Weltweit bekannt wurde Snow mit der 1959 in Cambridge gehaltenen Rede »The Two Cultures«, in der er einer pessimistischen Weltsicht der Geisteswissenschaften eine optimistische der Naturwissenschaften gegenüberstellte. Diesen Kulturen — »Galaxien, könnte man auch sagen« — warf er darin vor, nicht mehr miteinander zu sprechen, worin er die größte Gefahr im Atomzeitalter sah. In seinem Romanzyklus »Fremde und Brüder«, den die BBC in den achtziger Jahren erfolgreich verfilmte, versucht er, dieses Grundproblem einem breiteren, nichtakademischen Publikum verständlich zu machen.

Pressestimmen

»Vergnüglich, intelligent und scharfsinnig« (Kirkus Review)

Auszug

Meinen Besuch am Bryanston Square machte ich an einem klaren, kalten Februarabend. Ich ging die anderthalb Meilen von meiner Wohnung zu Fuß. Die Läden in der Wigmore Street waren bereits geschlossen, die Schaufenster noch erleuchtet; in den Seitenstraßen aber standen um diese Stunde die großen Häuser dunkel und still. Dann Straßen und Plätze, Wagen an den Bordsteinkanten, erhellte Fenster, endlich umschritt ich den Platz, schaute angestrengt zu den Hausnummern empor und rechnete aus, wie weit es noch bis zu den Marchs war.
Ich kam zum Eckhaus; über dem von Säulen getragenen Eingang war in großen, klar gemeißelten Lettern „BRYANSTON SQUARE 17“ zu lesen. Ein Diener öffnete die Tür, und der Butler nahm mir meinen Mantel ab. Ich geriet in arge Verlegenheit bei dem Gedanken, dass dies wohl der billigste war, den er seit Jahren in Empfang genommen hatte.

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