Klabund: Bracke
Klabund:
»Bracke«
Ein Eulenspiegel-Roman«
Mit einem Nachwort von Ralf-Georg Bogner
2018, geb., farb. Vorsatz,
Lesebändchen, 160 S.
€ 19 [D] / € 19,60 [A] / sFr 22,70
ISBN 978-3-96160-005-2

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Buch

Zum 90. Todestag des Dichters am 14. August 2018, 100 Jahre nach der Erstausgabe im Berliner Erich-Reiß-Verlag, 400 Jahre nach Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges, erscheint Klabunds wohl bekanntester Roman, der bis 1933 in zahlreichen Auflagen gedruckt wurde, in der ursprünglichen Fassung erneut. In der Tradition der literarischen Eulenspiegel-Figuren, derer sich Klabund bei Hans Sachs und Charles de Costers bedient, fußt sein »Bracke« auf dem märkischen Volksbuch »Hans Clawerts Werckliche Historien« aus dem 16. Jahrhundert, das er auch in seiner episodischen Struktur nachahmt, den Stoff dabei aber völlig umschreibt, auch topografische Gegebenheiten bis ins Groteske verändert und damit eine neue Legendenerzählung in die Welt setzt. Die Hauptfigur, Bracke, der Ausgestoßene, ruhelos Wandernde, zwischen Genialität und Wahnsinn Changierende, in jedem Satz beißende Ironie Versprühende, erscheint in diesem expressionistischen Roman als Symbol für Klabunds Zivilisationskritik und Hinwendung zum bedingungslosen Pazifismus.

Autor

Klabund, d. i. Alfred Henschke (1890—1928), veröffentlichte von 1912 an nicht weniger als 76 Bücher, darunter Gedicht­bände, Romane, Dramen, eine Vielzahl von Erzählungen, Schauspielbearbeitun­gen, Nachdichtungen östlicher Lyrik und Theaterstücke. Er studierte in München und Berlin und war mit der Schauspiele­rin Carola Neher verheiratet. Im »Dritten Reich« wurden Klabunds Bücher als Asphaltliteratur verboten. — Im Elfenbein Verlag erschienen von Klabund zudem:
»Werke in acht Bänden« (1998-2012) sowie
»Dumpfe Trommel und berauschtes Gong« (2009)

Auszug

Der Kurfürst beschied Bracke vor sich: »Bist du ein Heiliger oder ein Narr?«
Bracke verzerrte das Gesicht.
»Wäre ich ein Heiliger, es ständen nicht so viel Galgen in Eurem Kurfürstentum. Wäre ich ein Narr, ich würde Euch das nicht ins Gesicht sagen.«
Der Kurfürst biß sich auf die Lippen:
»Er hat Mut.«
Bracke sprach:
»Nur grade so viel, um die Wahrheit zu sagen: daß hohe Herren oft sehr niedere Herren sind.«
Der Kurfürst sah durch das große Fenster.
»Er will den Menschen helfen?«
Bracke stöhnte:
»Ich versuche es, Herr ... Sie sind meine Gefährten und nächsten Verwandten in dieser Wildnis. Wäre ich ein Tier, so hülfe ich den Tieren. Wäre ich eine Eiche, ich böte mich dem Efeu dienend dar. Als Muschel wüchse Moos auf mir.«
Der Kurfürst schenkte Bracke fünfzig Taler.
Als er durch das Schloßportal kam, saß dort ein altes, zahnloses Weib, welches ihn Tagedieb und Nichtsnutz schalt.
Da gab er ihr fünf Taler.

© 2018 Elfenbein Verlag

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