Einar Schleef: Und der Himmel so blau
Einar Schleef:
»Und der Himmel so blau«
Ein Lesebuch«
Zusammengestellt von Hans-Ulrich Müller-Schwefe
Mit einem Nachwort von Etel Adnan
2018, geb., farb. Vorsatz,
Lesebändchen, 184 S.
€ 22 [D] / € 22,60 [A] / sFr 26,30
ISBN 978-3-96160-004-5

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Buch

Zum 75. Geburtstag am 17. Januar 2019 eine Wundertüte vermischter Nachrichten aus Werk und Leben Einar Schleefs: Erzählungen, Märchen, Berichte, Fremd-­ und Selbstbeobachtungen. Kurze, teils verstreute Texte aus 25 Jahren, der früheste berichtet von einer Boheme-Weihnacht 1973 in Ost-Berlin, der späteste, 1998, verleiht einem Flüchtlingschor Wortmacht. Des Weiteren geht es um einen Frauenmör­der in Sangerhausen; um die Mutter, Protagonistin des Romans »Gertrud«; um einen Alptraum deutsch-deutscher Vereinigung; um eine Möwe mit gebrochenem Flügel, die ein Jahr lang Hausgenosse ist; um ein Sommermärchen aus Dänemark, geschrieben in einer hoch amüsanten Variante des Englischen; um eine sehr persönliche Gralssuche in Spanien; um die Sprach­- und Sprecherfahrungen eines Stotterers; um zehn Regeln für Schauspieler; um eine Heimkehr ein Jahr nach der Vereinigung — und vieles mehr. Dem Band sind ein Kommentar zu den Texten und ein Lebenslauf beigegeben.

Autor

Einar Schleef (1944—2001) zog 1964, um Malerei und Bühnenbild zu studieren, von Sangerhausen nach Ost­-Berlin, wo seine ersten Arbeiten entstanden; bis heute legendär: Strindbergs »Fräulein Julie« in der Regie mit B. K. Tragelehn. 1976 gelangte er als »Republikflüchtling« in den Westen. Seine erste Inszenierung am Schauspiel Frankfurt, »Mütter«, sorgte für einen Skandal. 1993 brachte er die umstrittene Uraufführung von Rolf Hochhuths »Wessis in Weimar« auf die Bühne des Berliner Ensembles. Berühmt wurde die Uraufführung von Elfriede Jelineks »Sportstück« 1998 am Burgtheater in Wien. Schleef arbeitete als Maler, Bühnen­bildner, Regisseur, Darsteller, Fotograf und Autor. Wenngleich er sich mit dem Roman »Gertrud«, dem Groß-­Essay »Droge Faust Parsifal« und (postum) mit den fünf Bänden seines Tagebuchs einen Namen machte, bleibt er als Schriftsteller noch immer zu entdecken. — Der Herausgeber, Hans-Ulrich Müller-Schwefe (geb. 1946), war Lektor und dramaturgi­scher Berater Einar Schleefs. — Im Elfenbein Verlag erschien zudem:
»Ich habe kein Deutschland gefunden«. Erzählungen und Fotografien zur Berliner Mauer. Mit einem Nachwort von Jörg Aufenanger (2011).

Auszug

WEIHNACHTEN IN DER 3. PERSON CHRISTBURGER STRASSE PARTERRE
Er war gerade arbeitslos, wir, wir hatten nichts zu fressen, außer Käse und Fett und Brot und billige Apfelsinen. Und das Weihnachten, wo seine Mutter noch vor 1 Jahr Stollen gebacken und sie immer geschickt hatte. Stollen, so groß, wirklich 4 Pfund. Dieses Jahr schickte sie keine Stollen. Wir hatten nichts zu fressen und am 24. kam doch noch der Geldbriefträger, eine verspätete Abrechnung. Am 24. saß der Postbote an unserem Tisch, zählte die Scheinchen, wir beide sahen uns an, unser Weihnachten, jetzt konnte er auch Alimente zahlen. Zuerst einzahlen, dann kauften wir ein, bergeweise, ich konnte die Tüten alle nicht tragen, was ist auf die Straße gefallen, Matschwetter im Dezember, wo doch Schnee sein soll, Weihachten. Ich kochte, was er wollte, ich hatte Spaß, endlich wieder ein richtiges Essen, er hatte noch einen Baum gekauft, einen Krüppel in der Blumenvase, aber einen Baum. Während ich kochte, putzte er ihn an. Engelhaar und solch Scheiß, scheußlich, ihm gefiel das. Er holte die Strohsterne seiner Mutter vom vorigen Jahr, hatte Schokoladenplätzchen mit bunten Streuseln gekauft. Alles an den Baum. Ich war fertig: Schnitzel Kartoffelbrei. Hatte schon das Kaffeewasser aufgesetzt, Vanillepudding mit Schlagsahne und Ananas. Erbsen in Butter, Rotwein. Ich wollte lieber Bier. [...]

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