Klabund: Romane der Sehnsucht — Spuk (Werke Bd. 2)
Klabund:
»Romane der Sehnsucht — Spuk«
Franziskus, Die Krankheit, Roman eines jungen Mannes, Spuk
Herausgegeben von Julian Paulus
1999, 2. Aufl. i. V., Ln., 423 S.
€ 40 [D] / € 41,20 [A] / sFr 57,90
Bei Subskription der Gesamtausgabe: € 35
ISBN 978-3-932245-12-1
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Buch

Band 2 der 8-bändigen Werkausgabe.
Er enthält die in der 1930 postum erschienenen Werkausgabe unter dem Titel »Romane der Sehsucht« versammelten Texte »Franziskus. Ein kleiner Roman«, »Die Krankheit. Eine Erzählung« und den »Roman eines jungen Mannes« sowie den Roman »Spuk«.
Ein Kommentar mit Erläuterungen sowie Hinweisen zu Text-Varianten und zur Editionsgeschichte rundet diesen Band ab.
Bibliophil in schwarzes Leinen gebunden, mit goldener Prägung des Klabund-Schriftzugs, Fadenheftung und rotem Lesebändchen.

Autor

Klabund, d. i. Alfred Henschke (1890–1928), veröffentlichte von 1912 an nicht weniger als 76 Bücher, darunter Gedichtbände, Romane, Dramen, eine Vielzahl von Erzählungen, Schauspielbearbeitungen, Nachdichtungen östlicher Lyrik und Schauspiele. Er studierte in München und Berlin und war mit der Schauspielerin Carola Neher verheiratet. Im »Dritten Reich« wurden Klabunds Bücher als Asphaltliteratur verboten. Seitdem blieb eine eigentliche Wiederentdeckung aus. Im Elfenbein Verlag erschien neben der achtbändigen Werkausgabe auch der bibliophil gestaltete Band »Dumpfe Trommel und berauschtes Gong. Nachdichtungen chinesischer Kriegslyrik«.

Auszug

Es ist nicht so, daß man sagen kann: »Ich lebe … «, sondern: »Ich werde gelebt!«
Josua ging am dritten Tage nach seiner Ankunft bei Triebolick von Hause weg, geraden Weges nach dem Spielwarengeschäft am Markt, nahm eines der kleinen Holzpferde, die dort sich in der Frühsonne vor der Türe gefielen, und zog es am Bindfaden hinter sich drein, über die hölzerne Brücke des Stromes und die Villenstraße rechts entlang, dann auf der Crossener Chaussee immer weiter, immer weiter ... Als er an einen Tannenwald hinter dem Judenkirchhof kam, bog er in den ersten besten Fußpfad ein, immer das Pferd hinter sich, welches zuweilen stolperte, so daß er es wieder bedächtig auf die Beine bringen mußte. Er gelangte an eine grüne Lichtung, über die eine braune Schneise führte. Da er müde war, setzte er sich nieder. Das Pferd aber ließ er stehen, denn er wußte, daß Pferde im Stehen schlafen können.
Er schlief ein.
Plötzlich stand jemand vor ihm.
Er fühlte das und wachte auf.
Der Mann sagte:
»Wer bist du?«
Er wußte aber seinen Namen nicht und sagte:
»Wie du.«
Der Mann fragte: »Wieso?«
Er sagte: »Ich bin auch ein Mensch, und das ist mein Pferd!« Damit zeigte er auf den hölzernen Rappen, der in der Abendsonne rosa blinkte.
Der Mann meinte: »Ich habe auch ein Pferd, aber ein viel größeres. Willst du es sehen?« Josua nickte. Dann ging er hinter ihm drein, den Rappen am Zügel leitend.
Bald sah er einen Planwagen, ein großes, starkes, braunes Pferd davor und eine Frau auf dem Bock. Das Pferd wieherte und die Frau lachte.
»Was hast du da?« rief sie dem Mann hell entgegen.
»Wir nehmen den Kerl mit! Er kann die Nacht doch nicht im Walde kampieren! Vielleicht fressen ihn die Bären!« schrie er.
Josua sagte, daß er keine Furcht vor Bären hätte, indem er auf seinem flinken Rappen flink entfliehen könne. Er duldete aber, daß man ihn in den Wagen hob. Unter der Plandecke roch es nach totem Fleisch und Blut und halbverfaultem Gemüse. Es war ein Geflügelhändler aus der Stadt, der von einer Marktreise nach Hause zurückkehrte. Dieser Umstand mag es erklären, daß seine (nunmehr so genannten) Eltern ihn am nächsten Tage auf dem Marktplatz in der Bude des Wildhändlers Matterhorn unter toten Schnepfen und Rebhühnern vor- und wiederfanden, was Josua sehr bedauerte.
(aus: »Roman eines jungen Mannes«)

Pressestimmen

»… feierliches Leinenschwarz mit eingestanztem Namenszug in Gold. Diese im Outfit propere Buchgestalt trifft eine Komponente des schillernd Vielseitigen, der Elegant und Vagant in Personalunion war … Diese Depeschenromane, wie mit dem Fernschreiber geklappert, bedienen sich der Zeitgeiststile und steigern sie in Exzesse hinein …«
(Ulrich Wanner, Neue Zürcher Zeitung)

»Nicht allein für die kurze Zeit — weniger als zwei Jahrzehnte — des Schaffens ist sein Werk beeindruckend in seiner künstlerischen Vielfalt und sprachartistischen Souveränität … es spricht in der Tat vieles dafür, Klabund neu zu entdecken … Man sollte jetzt die Gelegenheit nutzen und ihn lesen.«
(Wolfgang Neuber, Frankfurter Rundschau)

»… der kleine Elfenbein Verlag hat mit geringen Ressourcen eine ›Werkausgabe‹ in acht Bänden in Angriff genommen, die alle selbständigen Publikationen Klabunds nach den Erstdrucken wieder zugänglich machen will. Sie tritt, nur sparsam kommentiert, dem germanistischen Großprojekt als bibliophil gestaltete Leseausgabe mit goldenem Schriftzug auf schwarzem Einband vorwitzig als Konkurrenz zur Seite. Dem Publikum kann das nur recht sein.«
(Lothar Müller, Frankfurter Allgemeine Zeitung)

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